Die Schlösser von Cannero

By vacanzelago • on February 9, 2010

Die Schlösser von Cannero - Photo von Pata & Pata

Der Herbst mit kalten Winden und blauem Himmel ist im Land. Gern bleibt man wegen der Kälte zu Hause und wärmt sich mit heißen Suppen. Doch draußen sind die Farben so schön, dass man einfach ins Freie gehen muss. Schliesslich können wir noch den ganzen Winter lang zu Hause verbringen!
Jetzt ist die ideale Jahreszeit, noch kaum bekannte Orte zu besichtigen, die vielleicht nicht weit von zu Hause liegen, die man aber nie besucht hat, weil sie im Sommer zu übervölkert oder einfach als zu wenig exotisch eingestuft werden.

Ein Beispiel dafür sind bestimmt die Schlösser von Cannero. Wie viele antike Schlösser, ist auch dieser Komplex seit Jahrhunderten verlassen. Der Charme der Schloesser wächst dadurch, dass sie aus dem Seewasser emporragen. Ihre Geschichte, die mit Legenden ihrer Erben und Piraten verbunden sind, ist besonders faszinierend. Leider können die Schlösser nicht besichtigt werden, man kann sie nur vom Seeufer oder einem Boot aus bewundern.

Die Schlösser von Cannero - Photo von Night Flier

Die Schlösser von Cannero - Photo von Night Flier

Der monumentale Komplex der Cannero-Schlösser befindet sich am Lago Maggiore zwischen zwei felsigen Inseln vor Cannero Riviera in der Ortschaft Cannobbio. Auch wenn man hier von“ Schlössern „spricht, handelt es sich im Grund nur um ein einziges Schloss. Der zweite Bau, ein zerstörter Turm,  diente als Gefängnis.

Das ursprüngliche Gebäude, Rocca Malpaga genannt, wurde zwischen dem XI. und dem XII. Jahrhundert errichtet. Um das 15. Jahrhundert herum wurde es von der Familie Mazzardi übernommen, die die Gegend unter ihrer Herrschaft behielt und wegen ihren Plünderungen und Überfällen gefürchtet war. Im Jahr 1414, nachdem  die Mazzardis verjagt worden waren,  liess die Familie Visconti die Burg  abreissen. Ein Jahrhundert später wurde sie von der Familie Borromeo neu errichtet und Rocca Vitaliana genannt.

Um das Jahr 1700 wurde die Burg verlassen und als Zufluchtsort für Fischer benutzt, die den Borromeos dafür Miete zahlen mussten. Nach und nach zerfiel die Burg und wurde zum beliebten Versteck für Dutzende von Zugvögeln, die sie als Stützpunkt auf ihrer Migrationsreise in Richtung Süden verwendeten.

Arbeiten am Rocca Vitalina - Foto von Ladigue 99

In den letzten Jahrzehnten wurde Druck auf die Gemeinde ausgeübt,um die Restaurierung des Komplexes voran zu treiben . Viele Projekte wurden entworfen, um die Burg auf umweltfreundliche Weise zu restaurieren und zugleich dem Tourismus zugänglich zu machen.

Leider wurden diese Pläne nie umgesetzt. Im Jahr 2006 kam es zum Eklat: Die Bürger Canneros beobachteten voller Überraschung, wie Kräne und Baugerüste für Renovierungsarbeiten der Burg aufgestellt wurden, für die aber keine Genehmigung erteilt worden war. Die Bauarbeiten waren jedoch  legal, weil die Restaurierung aus Sicherheitsgründen für notwendig gehalten wurde. Mit dieser  Entschuldigung genehmigten die für kunsthistorische Monumente zuständigen Behörden der Region Piemont Bauarbeiten, die bereits begonnen hatten,befahlen jedoch, keine Teile des Komplexes abzureißen. Einige Teile des Schlossen wurden aber trotzdem abgerissen, außerdem verliefen die Bauarbeiten nicht nach Vorschrift, wie man der Webseite: www.castellidicannero.com entnehmen kann.

Im Internet findet man leider keine weiteren Informationen über den Zustand des Piratenschlosses. Wenn man die Bilder auf Flickr beobachtet, scheint es, als wären die Kräne noch dort und die Bauarbeiten  im Gange.

Man weiß nur, dass das von einer Baufirma vorgelegte Bauprojekt nicht genehmigt wurde, weil man damit die Natur des Ortes entstellt hätte. Ist es möglich, dass die Bauarbeiten seit drei Jahren lahm liegen? Man müsste den Ort persönlich besichtigen, um etwas mehr darüber zu erfahren.

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